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DIE
BASIS
Ende
1981 war es für uns zu eng geworden in der HOSI Wien. Wenn wir frech
waren, mussten wir – verdiente Gründungsmitglieder, die wir
waren – uns rechtfertigen vor den Vorständen! Als Florian Sommer
die Aktion Neujahrskonzert ’82 plante, gingen sie gar auf Tauchstation.
Herr Sommer hatte sein Leben „der Revolution“ geweiht und
wiegte sich seit Wochen auf den Wogen des internationalen Ruhmes seiner
Aktion. Wir dachten an eine Wiederholung oder Prolongierung dieses Erfolges
beim Opernball. Florian und Robert kamen für eine Aktion dieser Art
natürlich nicht mehr in Frage, denn sie hätten erkannt werden
können. Das war der Grund, warum ich mir 1982 dem Stress der Vorbereitungen
für die Opernballaktion hingegeben hatte. Auch wenn der Erfolg beim
Opernball nicht so großartig gewesen war, erreichten die Aktionen
des ROSA WIRBEL schließlich, die Szene um die ROSA LILA VILLA unberechenbar
zu machen. Das hat uns in den Verhandlungen mit zuständigen Behörden
sehr geholfen.
DER
AUFBAU
Es
gab ein Abbruchhaus an der Linken Wienzeile, in dem bis auf einen alten
Mann und zwei kleine Büros alle Mieter abgesiedelt worden waren.
Die Gemeinde wollte hier eine Parkgarage errichten. In der Stadt gab es
noch Hunderte andere Abbruchhäuser im Eigentum der Gemeinde Wien.
In einigen davon hatte die rote Gemeinderegierung junge Leute sich ansiedeln
lassen, irgendwelche Chaoten, die sonst vielleicht öffentliche Randale
veranstaltet und selbsttätig Häuser besetzt hätten, wie
das in anderen Metropolen Europas damals zu beobachten war.
Der Magistrat taufte seine schlaue Aktion „legale Instandbesetzung“.
Mit einem großen schönen Altbau in der Liniengasse war allerdings
eine kleine Panne passiert: zuerst war er den Autonomen versprochen worden
und dann änderte die Gemeinde ihre Pläne. Den Lästigsten
der frustrierten Wohnungsanwärter/innen wurden Notquartiere im Haus
an der Linken Wienzeile angeboten. Und siehe da: die entpuppten sich als
Schwule und Lesben, die gleich das ganze Haus in Besitz nahmen und drei
Monate später eine Beratungsstelle für homosexuelle Frauen und
Männer eröffneten.
Dazu hatten wir eine Menge Presse eingeladen und einige Zeitungen hatten
Journalist/innen geschickt: das „profil“, die „Arbeiterzeitung“
und andere. „Wir bitten zum Tanz“ war unser Motto und „von
Hausbesetzer/innen zu Hausbesitzer/innen“ unser Programm. „Permanent
öffentlich alternativ zu leben“ sahen wir als ein Medium, unsere
Anliegen zu transportieren. Was wir wollten war individuelle, lustvolle
Politik, als Alternative zur parteigebundenen.
Im November 1982 konstituierten wir uns als Selbsthilfe-Gruppe, ohne die
öffentliche Hand aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Die ROSA LILA
VILLA sah ich nie als Konkurrentin der Homosexellen Initiative, sondern
als Ergänzung. Ich fand die Arbeit der HOSI Wien, ihre Politik der
zähen Verhandlungen und zermürbenden Gespräche in Vorzimmern
von Ministerien oder Staatssekretariaten gut und wichtig, aber das war
nicht unsere Sache. Müßig darüber zu streiten, wessen
Konzepte die „politischeren“ oder effektiveren sind!
Als wir am 18. Oktober ’84 die ROSA LILA VILLA mittels Baurechtsvertrag
in Eigentum auf 30 Jahre von der Gemeinde Wien übernahmen, knüpften
wir daran die Bedingung einer jährlichen Subventionierung unserer
Einrichtungen Lesben- und Schwulenberatung und Bibliothek in der Höhe
von 350.000 Schilling , ein lächerlich geringer Betrag in Relation
zu einer vergleichbaren sozialen Einrichtung der Gemeinde Wien, wie z.B.
einer Familienberatungsstelle mit bedeutend weniger Konsultationen. Diese
Zusage wurde allerdings nie eingehalten.
DER
ALLTAG
Obwohl
wir in den ersten Jahren viel Arbeit, Zeit und Geld in die Reparatur des
Abbruchgebäudes gesteckt hatten, wurde eine Totalsanierung, insbesondere
der Fassade, immer dringlicher. Zum Einen das Baurecht und zum Anderen
dass es sich bei der R.L.V. um einen Wohnbau handelte, versetzte uns in
die Lage, die Sanierung eigenverantwortlich mittels eines Kredits durchzuführen,
der - im Rahmen des Wiener Wohnbausanierungsgesetzes ’84 - Zuschüsse
von Land und Bund erhielt. Viel Spaß hatten wir natürlich mit
der Totalräumung des Hauses, unseren privaten Umzügen und der
gleichzeitigen Übersiedelung des ROSA LILA TIP in Räume der
GRUWIFAK in der Wasagasse, des Weiteren mit der Bauaufsicht und endlich
der Rück-Siedelung unseres Krempels, sowie mit der Neuorganisation
und Neustrukturierung des Hauses. Wir gehörten nämlich –
laut damaliger HOSI-Definition – zur Spaß- und Kommerzfraktion.
Wir errichteten ein Vereinslokal, nannten es WILLENDORF und übergaben
es einem selbstverantwortlichen Kollektiv mit der Auflage, das Lokal professionell
zu führen und gute, gesunde und preiswerte Küche zu bieten.
Wir schreckten nicht davor zurück, unsere Einkünfte durch den
Verkauf von Coca Cola zu vermehren, was es im WARMEN NEST – unserem
kleinen Kommunikations-Café vor der Sanierung – aus politischen
Gründen nicht gegeben hatte. Das Kollektiv hat manche aufgerieben,
insbesondere denke ich dabei an Siegfried/Anton Felder, der am 17. September
’89 an den Folgen von HIV verstarb und an Much Oberschmied, der
Siegi um einige Jahre überlebte. Das Kollektiv hatte sich zum Chefkollektiv
gewandelt, bestehend zuerst aus drei Personen und dann aus zwei. Das Lokal
ist inzwischen größer und schöner geworden. In Mike und
Andreas hat der Verein ROSA LILA TIP zwei engagierte Mieter gefunden.
GEGENWART
UND ZUKUNFT
Seit
1996 sind Lesben- und Schwulenberatung in der R. L. V. räumlich getrennt.
Die Frauen sind im Erdgeschoss geblieben und die Männer in den ersten
Stock gezogen. Auch die Anforderungen an Informations- und Beratungsstellen
haben sich gewandelt. Heute bieten Internet und Chat für Viele ein
weites Feld, an Informationen zu kommen und sich auszutauschen. Dass damit
aber nicht alle Bedürfnisse abgedeckt werden, insbesondere die nach
realer Begegnung, zeigt der Zulauf, den die Lesbenberatung zu verzeichnen
hat. Sie ist mehr als eine Anlaufstelle für Frauen „mit Problemen“,
nämlich ein Ort, wo engagierte Frauen sich zwanglos treffen können.
Insbesondere für schwule Männer bietet die Szene immer vielfältigere
Möglichkeiten Spaß zu haben und Geld auszugeben, was in unserer
Gesellschaft bekanntlich als eine der lustigsten Beschäftigungen
überhaupt gilt. Wir wollen den Spaß erweitern, indem wir die
Möglichkeit des lustvollen Mitgestaltens vermehren. In der Schwulenberatung
im ersten Stock ist für Sonntag Abend ein Jourfixe mit Filmvorführungen
angedacht worden, freitags gibt’s die Jugendgruppe COMMON MOTION,
jeden 2. und 4. Montag im Monat die Transgendergruppe MIKE’S TRANSFER,
jeden 1. Montag und 3. Mittwoch im Monat die Gruppe TRANS X. Jeder zweite
Dienstag ist für die Gruppe HOMOSEXUELLE UND Glaube (HUG) reserviert
und das RECHTSKOMITEE LAMBDA bietet jeden Donnerstag zwischen 19:00 und
20:00 Uhr unentgeltliche Rechtsberatung an. Das Plenum der Lesbenberatung
findet jeden Montag Abend ab 20:00 statt, die Schwulenberatung trifft
sich dienstags.
Die
Villa ist dabei, sich innen und außen zu verändern. Wer Lust
hat, an diesen Veränderungen mitzuwirken, ist herzlich willkommen.
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Besetzung
1982 |
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Popolitk
mit Gloria
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"Tritt
ein" |
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