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Die lesbischwule Bewegung hat (eine) Geschichte

von Udo W. Häberlin; Rudolf Katzer am 2005-06-20 17:26:42
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Die erste österreichische Schwulengruppe �Coming Out�? Über die Folgewirkungen im Großstadtbiotop für Homos, TransGenders und letztlich Queers.

Seit Beginn der 80er Jahre trägt Rudolf H. Katzer seine Anliegen an die Öffentlichkeit.
Das Mitglied der ersten Nachkriegs-Schwulengruppe �Coming Out�, Mitbegründer der HOSI (Homosexuelle Initiative) und Mitinitiator der �Rosa Lila Villa� erinnert sich:

"1978 war für mich erst einmal tote Hose in Bezug auf politisches oder soziales Engagement: die besetzte Arena war abgerissen worden und COMING OUT hatte sich gespalten und war am Ende.
Als ich 1979 erfuhr, dass eine neue Schwulengruppe gegründet werden sollte, meinte ich, das alles schon zu kennen. Aus Neugier ging ich ins ehem. Treibhaus und besuchten das konstituierende Treffen der HOSI.
Dort herrschte Aufbruchstimmung! Ich arbeitete im Vorstand, an den Statuten und - den Lambda Nachrichten.
Die HOSI hatte ihre große Stunde zu den Festwochen Alternativ 1980 bei der so genannten Budenstraße am Reumannplatz in Wien Favoriten. Diese brachte die unerwartete erste öffentliche Solidarisierung der alternativen Szene mit der les-bi-schwulen Bewegung.
Spontan wurde das subversive Manifest �Für eine neue Liebesunordnung" definiert.

Die Aktion zum Wiener Neujahrskonzert 1982 war ein legendärer Auftritt der zum internationalen Überraschungserfolg wurde. Denn als 1982 Lorin Maazel zum Neujahrskonzert den Taktstock hob, um die Polka �Die Emanzipierte� von Johann Strauß zu dirigieren, ahnte er nicht, dass er damit den Einsatz zum blitzschnellen entkleiden gab. Zwei wohlproportionierte, schlanke Männer hatten sich während der Ouvertüre zu �Die lustigen Weiber von Windsor� bereits Schuhbänder und Hemdknöpfe geöffnet. Im politisch effektvollen Aktionismus erstürmten sie blitzschnell nackt die Bühne.
Die Tagespresse berichtete: �Nackte bei Neujahrskonzert� (Kurier).
Und: �Aufsehenerregender Zwischenfall beim Wiener Neujahrskonzert: Während das Publikum den Musikern applaudierte, sprangen zwei nackte Männer auf die Bühne und forderten in einem Spruchband - �Freiheit für Schwule�. Das einzige Kleidungsstück, das die beiden anhatten: ein Mascherl, um den festlichen Rahmen zu bewahren.
Die Demonstranten wurden festgenommen.� (Arbeiter Zeitung).
Das "Spruchband" hatte Form und Farbe eines Rosa Winkels - unseres Kainszeichens aus der Zeit des Nationalsozialismus - und darauf stand als Forderung �MENSCHENRECHTE für Schwule�.
Die Akteure wurden von zwei Polizisten mit spitzen Fingern an den Handgelenken genommen und abgeführt.
Ein paar Tage später thematisierten ausländische Zeitungen die mutige Aktion und illustrierten sie teils mit doppelseitigen Farbbildern.

Um die Verunsicherung zu vertiefen, welche die Wiener Ordnungshüter erschüttert hatte wurde ich überredet, eine ähnliche Aktion am Wiener Opernball zu koordinieren, welche allerdings ein geringeres Echo hervorrief.

Mit den beiden Aktionen rund um die prominentesten der heimischen Nationalmonumente war es aber gelungen, die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit auf sich zu ziehen.

Die Gay-Liberation hatte sich als unberechenbare Größe entpuppt, was wir zu nutzen verstanden. Mit dem Rosa Wirbel begann auch der Aufbau der ROSA LILA VILLA. Die Gemeinde Wien verfolgte seit 1981 die Strategie, Abbruchhäuser zur so genannten legalen �Instandbesetzung" an die potentielle Hausbesetzer/innen-Szene zu vergeben .
Die politische Durchsetzungskraft war groß.

Am 15. November 1982 wurde die Beratungsstelle ROSA LILA TIP, im �Ersten Wiener Schwulen- und Lesbenhaus�, wie wir es stolz beschriftet hatten, eröffnet.

Ich baute und betrieb das Kommunikationscafé Warmes Nest.
1985 erhielt der Verein ROSA LILA TIP den Baurechtsvertrag für die ROSA LILA VILLA.
Ermutigt von den Erfolgen des Rosa Wirbel fuhr ein Trio aus der ROSA LILA VILLA zum ersten gesamtösterreichischen Treffen unterschiedlicher alternativer Gruppen nach Oftering bei Linz.
Mit im Gepäck war die "Neue Liebesunordnung�, deren Kernsatz lautete: �Homosexuell, das ist nicht alles, was wir sind, aber es gehört zu allem, was wir sind." Noch bevor die Alternative Liste Österreich (ALÖ) gegründet war, wurde beschlossen, dass ich für die Alternative Liste Wien (ALW) bei der Nationalratswahl 1983 kandidieren sollte.
Darin spiegelte sich der Konflikt zwischen den PragmatikerInnen, die in den Nationalrat wollten, und uns FundamentalistInnen, denen es wichtig war Bewusstseinsveränderungen herbeizuführen.
Die Alternative Liste Österreich hat 1983 die 5%-Marke nicht erreicht und somit den Sprung in den Nationalrat nicht geschafft.

Ich glaube, dass die Aktionen des Rosa Wirbel und die permanente Präsenz des Lesben- und Schwulenhauses mit seinen Aktivitäten dazu beigetragen haben, dazu beitragen, und hoffentlich auch weiterhin dazu beitragen werden, vor allem jungen Leuten ein LesBiSchwules Lebensgefühl zu vermitteln, das mehr ist, als sich nur dem Konsum hinzugeben."
Die Szene bietet immer vielfältigere Möglichkeiten, Spaß zu haben und Geld auszugeben � Beschäftigungen, die in unserer Gesellschaft bekanntlich als die lustigsten überhaupt gelten.
Politisch mitgestalten an Rahmenbedingungen des vielfältigen akzeptanzvollen Zusammenleben ist eine großartige Alternative gegen selbstbezogener Vereinzelung und ist eine sehr wichtige Aufgabe in Zukunft.



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