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Schau mir in die Augen, Kleines!

von Marty Huber am 2005-09-22 05:40:27
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Ein weiteres Projekt des Lila Tip zur Arbeit an der Öffentlichkeit lesbischer Perspektiven in Zusammenarbeit mit IntAkt.

„Schau mir in die Augen, Kleines!“ ist Teil der Kunstaktion „Querspektiven“ der Lesbenberatung und der Künstlerinnengruppe IntAkt im Zuge des 6ten Sinn Projektes der IG Kultur Wien. Das Projekt "QUERSPEKTIVEN" (eine Zusammensetzung aus QUER, gegen den Strich, gegen die Norm - und PERSPEKTIVEN, dem Blick, dem Ausblick,) bearbeitet u.a. eine der bekanntesten Fassaden des 6ten Bezirks: die der Rosa Lila Villa.

In den 80er Jahren noch Stein des Anstoßes und vieler Querelen, ist sie heute aus dem Gesamtbild des Bezirkes nicht mehr wegzudenken. Sie ist mit ihrer unübersehbaren Aufschrift "Lesben- und Schwulenhaus" auch ein Stück scheinbare Normalität geworden. Mit "Querspektiven" wird die Fassade, die immer noch Auf-sehen erregt, Blicke auf sich zieht und Aggressionen auslöst, umgestülpt, zuerst relief-artig ausgeweitet mittels eines Kunst-Blumenteppichs. Im Erdgeschoss wird "zurückgeschaut". Ein Augenband schaut auf die PassantInnen, die teils verstohlen vom Gehsteig aus, teils unverhohlen aus dem Reisebus versuchen, einen Blick ins Innere der Rosa Lila Villa zu werfen. Diese Blicke verweisen auch auf das Transparent am Haus, das, grafisch und textlich gestaltet, lesbische Perspektiven aus dem Inneren nach außen trägt. Dieses „Schau mir in die Augen, Kleines!“ spielt mit den scheinbaren Normalisierungen lesbischer Lebensentwürfe. Es ist eine Aufforderung zur Auseinandersetzung, zur Konfrontationen mit der Unterschiedlichkeit von Lesben, ein Flirt, der Begehrensstrukturen ihren Raum lässt und weder lasziv, erotisierend, noch desexualisierend ein Feld eröffnen soll.

Das Wort „Lesbe“ kommt bewusst nicht vor, und das mag auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheinen. Wie kann Arbeit an der Öffentlichkeit betrieben werden, ohne dass das Subjekt erwähnt wird? Nun ja, Lesben sind sehr unterschiedlich, haben verschiedene Einstellungen zu Lebensgestaltung, Politik, Familienbilder, Frau-sein, Sexualität, etc... Und wir wollen ein Spiel eröffnen, das nicht schon die Figuren festlegt. Ein (fiktives) Gegenüber soll sich aber durch eine anti-identitäre Vorgabe auch fragen, inwieweit die eigenen Kategorisierungen, den Blick auf die andere einschränken und trüben. Spezifische Klischeebilder über Lesben zum Einen und zum Anderen allzu humanistische „Alle-sind-eh-gleich“-Verkündigungen bringen uns da nicht weiter. Österreich und auch die Stadt Wien ist noch weit davon entfernt eine Gesellschaft zu formen, der antidiskriminatorische Grundsätze in Fleisch und Blut übergegangen wäre.

Hier muss die Stadt Wien auch den Tatsachen in die Augen sehen, dass es innerhalb der Verwaltung immer noch (trotz der großartigen Arbeit der Wiener Antidiskriminierungsstelle) genug an Ablehnung gibt, solche Projekte zu unterstützen und den städtischen Raum, den kommunalen Platz zu öffnen für die Menschen, die in dieser Stadt leben.



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