Mord an Gisbertavon Marty Huber am 2006-03-13 20:07:08 Artikel druckenPortugiesische Jugendliche misshandelten Transvestiten zu Tode. Vom Verbrechen, vom Hass, von der Verharmlosung, von unserem Zorn. Vermutlich in den Graben geworfen, während sie noch gelebt hat. Opfer
nicht nur von Gewalt sondern auch von sexuellem Missbrauch. Unsere
Empörung wächst Tag für Tag, mit der Art, wie der Mord an Gisberta in den
Medien kommentiert und verharmlost wird. Wir sind befremdet, dass heutige
Fernsehberichte die schrecklichen, durch die portugiesische Zeitung „Jornal de
Notícias“ verbreiteten Meldungen ignorieren: es gab ganz offensichtlich eine
sexuelle Komponente in diesem Verbrechen. Soll verschwiegen werden, dass
das Opfer einer ganz bestimmten Art der Folter ausgesetzt wurde, wie dem
Einführen von Gegenständen in den Anus?
Der Priester Lino Maia, Präsident der IPSSs Union, gestand den Jungen
gestern „mildernde Umstände“ zu, wegen einer vermuteten sexuellen
Belästigung eines Pädophilen an einem Kollegen. Vor dem Angesicht eines
Mordes versucht die Kirche, der LGBT Bevölkerung die Schuld zuzuschieben,
indem sie mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht wird. Diese Erklärung
untermauert nur die Überzeugung eines diskriminierenden Beweggrundes.
Der Priester versucht, die Institution, die er leitet und die Jungen für die
er verantwortlich ist, zu entschuldigen: Indem er sagt, die Jungen hätten
„Gerechtigkeit mit ihren eigenen bloßen Händen“ geübt, durch eine
Episode, die mit dem Opfer gar nichts zu tun hat. Genau das ist es, was ein
Hassverbrechen ausmacht.
„Wie war das möglich?“ fragt die Zeitung „Público“ von gestern. „Wie war
es möglich, dass es nicht schon früher geschehen ist?“ Wir antworten: Wissen wir nicht, dass das System des Schutzes von Minderjährigen nur im Stich
lassen und Misshandlung fortsetzt? Kennen wir nicht die Gewalttätigkeit und
die soziale Ausgrenzung und wie sie gefördert werden? Wissen wir nicht von
der Diskriminierung obdachloser Menschen, HIV Positiver, Prostituierter,
Homosexueller, Gypsies, Immigrantinnen und besonders transsexueller
Menschen, die sogar von der schwulen Community ausgegrenzt werden?
In „Público“ können wir lesen: „eher eine unbewußte Tat als vorsätzlich“.
Was ist unbewusst und unabhängig von transphobischer Aggression, an vier
aufeinanderfolgenden Tagen der extremen Gewalt, Folter und Vergewaltigung?
Einen Körper in einen Graben zu werfen, ohne auch nur zu überprüfen, ob er
noch immer am Leben ist?
Es ist eine Schande, dass die Medien den Unterschied zwischen einer
Transsexuellen und einem Cross-Dresser, zwischen Homophobie und
Transphobie, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität noch immer
nicht kennen. Die Journalisten sollten sich selbst ernsthaft in Frage stellen: ihr
berufliches Gewissen, ihre eigenen Vorteile, das Herangehen der Medien an
LGBT-Rechte mit besonderer Beachtung transsexueller Menschen, die in der
Medienwelt und in der Gesellschaft noch mehr verspottet, herabgesetzt und
missverstanden werden.
Ein Teil der sozialen Erörterung hat nur auf „obdachlos“ verwiesen. Es ist nicht
die Aufgabe von Journalisten - oder von irgendwem sonst - zu entscheiden,
ob es um Obdachlosigkeit ein anderes Merkmal gegangen ist. Jedenfalls war
es ein Vorurteil, das in diesem Gewaltverbrechen zum Ausbruch gekommen
ist. Gisberta war mit mehrfachen Stigmata behaftet. Keines davon kann
ausgeklammert werden. Sie war transsexuell und ein Opfer von Transphobie.
Es geht um mehr als darum, diese Stigmata aufzuzählen. Sie auszuklammern
bedeutet vermutlich aufklärende Elemente zu verschweigen. Ohne Information
darüber, was es gefördert hat, die Manipulation und das Wiedererstarken von
Diskriminierung, wird das Verbrechen unterstützt.
Das Schweigen der politischen Parteien und ihrer Verantwortlichen ist
schmählich, auch mit dem vorherzusehenden Argument es sei nicht klug, über
„Hassverbrechen“ zu sprechen, an denen Kinder beteiligt sind. Es geht nicht darum, Minderjährige zu kriminalisieren. Der Staat sollte die Verantwortung
übernehmen, die er für jene, die „jung“ sind, nie übernommen hat. Der Zustand
sollte jene bestrafen, die in einem Alter sind, um verantwortlich zu sein. Bringt nicht „Kinder“ mit „jungen Leuten“ durcheinander. Vergesst nicht das dramatische
Alter der meisten aus der Gruppe. Verharmlost nicht das Verbrechen und das
Vorurteil, das darin zum Ausdruck kommt. Die Gefühle, die den Hass erzeugen,
liegen in der Verantwortlichkeit der Erwachsenen derer, die für das Land lenken.
Wir werden uns nicht selbst fragen, ob die Kinder zum Hassen fähig sind.
Die portugiesische Gesellschaft hasst und es ist diese Gesellschaft, in der
die Kinder aufwachsen. Der Hass gegen LGBT Menschen und nicht nur
gegen diese, besonders die Transphobie ist es ein ernstes gesellschaftliches
Problem, das sich von einer zur anderen Generation fortpfl anzt. Im Rahmen
der Maßnahmen zur Bekämpfung und Vorbeugung gegen Diskriminierung und
Ungleichbehandlung als Ganzes kann es in LGBT-spezifi schen Fällen nur das
Anliegen sein, Gleichberechtigung und soziale Anerkennung zu erreichen. Ja,
diesmal wurde das Verbrechen „von den jungen“ Leuten begangen. Aber die
transphobischen, homophobischen Aggressionen in Portugal, die in die letzten
paar Jahren zugenommen haben, wurden nicht von jungen Leuten geschürt.
Und die erste Regel war Stille und Vergessen.
Und das nächste Verbrechen? Warten wir auf ein neues Hassverbrechen
warten das von Erwachsenen begangen wird, um Position zu beziehen?
Das Gesetz gegen Verbrechen und Diskriminierung auf Grund sozialer
Stellung, Gesundheit, Transphobie, Homophobie, etc. zu verschärfen
(nicht in Abhängigkeit von dem Alter)? Einführung einer Sexualerziehung
gegen Vorurteile in den Schulen? Der Hölle auf Erden, die das System
des (Nicht)Schutzes von Minderjährigen errichtet, ins Auge zu schauen?
Investieren in eine Politik der Gleichberechtigung?
Presse-Aussendung des portugiesischen TransGender-Vereins ªt und der Rosa Panther
Rosa Panther Bewegung - Kampffront gegen Homophobie
ªt - Verein für Erforschung und Schutz der Rechte auf Geschlechtsidentität
Website von ªt
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