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Gender and the city

von Gerald Koessel; Udo W. Häberlin am 2006-12-05 19:08:18
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Dass Geschlecht konstruiert ist, ist klar. Doch auch der Raum ist vom Menschen (und dem darin agieren) bestimmt. Wir untersuchen diesen relationalen Raum anhand von "Gay-" and "Queer-Space".

Das Naheverhältnis von Stadt und Geschlecht hat sich nun anscheinend bis in die Etagen der US-amerikanischen Serienindustrie niedergeschlagen, wo es in einem einschlägigen Format zwar eher um den “Sex” als um die “City” geht.
Führt man sich die darin vorgebrachten Inhalte zugute, so drängt sich der Verdacht auf, dass wir in einem Zeitalter leben, in der die Stadt schlichtweg als Bühne fungiert, deren BewohnerInnen damit beschäftigt sind eine Hauptrolle einzunehmen. Das mitunter irritierende Moment in dieser Serie ist dabei allerdings weniger die damit einhergehende Selbstinszenierung an sich, sondern die scheinbare Einfachheit der materiellen und vor allem sozialen Raumaneignung über Körperlichkeit bzw. über den Sexus. Der Raum existiert ja nicht bloß als konkret-physisches Gebilde, sondern der Raum wird in nicht weniger starkem Ausmaß auch aus der Summe aller Vorstellungen, Vorurteile und Machtansprüche der darin lebenden Individuen gebildet. Damit soll natürlich nicht gesagt werden, dass der Raum ein gänzlich ideelles Produkt ist. Es soll allerdings festgestellt werden, dass der Raum, und in gegebenem Fall ist vor allem vom öffentlichen Raum die Rede, eine materialisierte Form der vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse ist. Die sozialen Verhältnisse, im konkreten Fall ist die Rede von der vorherrschenden sexuellen Ausrichtung in der Gesellschaft, bilden sozusagen die Form in der sich der Raum überhaupt erst materialisieren kann. Dementsprechend bedarf es also für Personen, die homosexuell sind, einer vermehrten Anstrengung sich sowohl in den sozialen als auch in den materiellen Raum, der vom vorherrschenden Modell der Heterosexualität geprägt ist, „einzuschreiben“.

Blickt man historisch gesehen zurück, so lässt sich ein fehlendes Bewusstsein für ein vielgestaltiges Raumverständnis und –bewusstsein durch weite Strecken der Geschichte der Stadt, konstatieren. Stadt und öffentlicher Raum wurde lange Zeit ausschließlich über den Begriff des Marktes wahrgenommen. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der Terminologie von Max Weber, einem Vordenker der Stadtsoziologie, dessen Stadtbegriff das Hauptaugenmerk auf die ökonomischen Beziehungen der (Stadt)-gesellschaft legte. Dass der Stadtraum allerdings nicht bloß der Ausverhandlung von ökonomischen Interessen dient, sondern in nicht geringerem Maße auch der einer Vielzahl von körperlichen und sexuellen Identitäten, beweist unter anderem die Tatsache, dass es gerade der öffentliche Raum ist, der zur Einforderung der Anerkennung von ebendiesen Identitäten herangezogen wird, wie etwa die jährlich stattfindende Regenbogenparade in Wien, die international unter dem Namen Christopher Street Day bzw. Gay Pride gefeiert wird, oder den Life Ball bzw. das Filmfestival „Identities – Queer Film“.

Der Begriff des öffentlichen Raums ist nun bereits des Öfteren gefallen. Um sich einerseits Kontinuitäten klarer vorstellen bzw. Brüche besser aufzeigen zu können, soll ein kurzer Blick auf die historische Entwicklung des öffentlichen Raumes im modernen Sinn geworfen werden.

Man kann mit Recht behaupten, dass die antiken und mittelalterlichen öffentlichen Plätze heute einen großen Teil ihrer politischen und wirtschaftlichen Funktion eingebüßt haben. Auf diesen wurde Handel betrieben, auf den Märkten wurden die Waren feilgeboten, Informationen verbreitet und es wurde diskutiert. Auf den Plätzen wurden aber auch die Verurteilten gehängt, gerädert und öffentlich an den Pranger gestellt.
Der öffentliche Raum, dh. dessen Straßen und Plätze, blieb aber bis ins 19. Jahrhundert als erweiterter Lebensraum bestehen. Natürlich muss man auch die Wohnsituation der damaligen Zeit berücksichtigen, in der die durchschnittliche Wohnfläche für eine Person weit unter der heutigen liegt. Gemeinsame Schlafstätten für die ganze Familie waren durchaus üblich; von einem individuell nutzbaren Raum war oft gar nicht die Rede. (Selle, 2002)

Eine Zäsur bedeuteten auch die Industrialisierung und der damit verbundene Rückgang von Gewerbe und Handwerk. Dies bedeutete meist die Trennung von Arbeits- und Wohnstätte bzw. eine stärkere Unterscheidung von Arbeits- und Nichtarbeitszeit. Waren die Handwerker, Gewerbetreibenden und Händler noch klar im öffentlichen Stadtbild verankert, so spielte sich die Arbeit nun oft in Fabriken ab, die weder als öffentliche noch als private Räume bezeichnet werden können. Im Zuge einer historischen Betrachtung der gesellschaftlichen Aufklärung und Emanzipation bedeutet dies auch eine enorme Schwächung der politischen Funktion, da das öffentliche, kulturelle und soziale Leben immer ein Ort der Kommunikation und des Austausches bzw. der Zivilgesellschaft war. An den politischen Revolutionen der Bürgerschaft von 1789, 1830, 1848 bzw. 1917/1918 kann man die symbolische Bedeutung der öffentlichen Räume als Arena der Willensbildung klar erkennen. Um jedoch bei einer Diskussion der öffentlichen Räume nicht zu kurz zu greifen, sollte man auch die Frage aufwerfen, ob sich denn nicht auch generell der Begriff von Öffentlichkeit geändert hat. Hannah Arendt spricht von etwas sehr viel allgemeinerem als Platz und Straße, wenn sie vom öffentlichen Raum spricht, nämlich von Sphäre, Bereich oder Welt. Öffentliches stellt sich nach ihr ein, wenn „Dinge ohne ihre Identität zu verlieren, von Vielen in einer Vielfalt von Perspektiven erblickt werden, so dass die um sie Versammelten wissen, dass ein Selbes sich ihnen in äußerster Verschiedenheit darbietet“. (Arendt 1981) Und genau um die Verschiedenheit geht es schlussendlich; um den öffentlichen Raum als Ort der Differenz und Diversität.

Doch wie man auch am Beispiel Wien gut erkennen kann, ist diese Durchlässigkeit für ein Modell des öffentlichen Stadtraumes als Ort der Vielfalt hinsichtlich der Angebote für Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung nur in einigen Bezirken gegeben. Dazu muss natürlich gesagt werden, dass etwa queer/gay Orte einer viel stärkeren Codierung bedürfen um überhaupt als solche erkennbar zu sein. In Wien sind das etwa Teile des sechsten und vierten Bezirks mit dem Zentrum Rosa-Lila-Villa und anderen Einrichtungen und Lokalen, wobei noch nicht danach gefragt wurde, inwiefern eine bestehende Infrastruktur an öffentlichen Einrichtungen die Ansiedelung von erstens weiteren öffentlichen queer/gay Lokalitäten begünstigt und zweitens wie das Vorhandensein dieser Orte auch die private Ansiedelung von Personen mit genannter geschlechtlicher Ausrichtung fördert bzw. was dies für den Wohnungsmarkt / die Stadtplanung bedeutet. Dass man sich allerdings auch von Seiten der Stadt Wien bereits Gedanken darüber gemacht hat beweist etwa der Queer Guide, ein Wiener Stadtführer für internationale Gäste. Daraus geht nicht nur eine Konzentration der Räume rund um den Naschmarkt hervor, sondern es finden sich neben eigenen Routen für Spaziergänge mit besonderen Erklärungen zu berühmten homosexuellen Persönlichkeiten der Wiener Geschichte sogar Pfade für eine Abendgestaltung. Die Relevanz dieser Thematik spielt nicht zuletzt auch bei der (Neu)positionierung der Städte im internationalen Vergleich eine Rolle. So versucht etwa Richard Florida in seinem Werk „The Rise of the Creative Class“ unterschiedliche Indikatoren für die künftige Attraktivität von Städten, im Sinne eines kreativen Potentials für eine Vielzahl von neu entstandenen und neu entstehenden Beschäftigungsformen, vor allem im Dienstleistungssektor, zu finden. Einen Faktor bildet der sogenannte „gay index“, der nicht bloß die Aufgeschlossenheit der Einwohner einer Stadt gegenüber Homosexuellen messen soll, sondern eine generelle Offenheit für neue/andere Personen und Ideen.

Wie das Beispiel Köln zeigt, ist es bereits integrativer Teil der Stadtplanung und Stadtöffentlichkeit die Präsenz von Homosexuellen nicht nur anzuerkennen, sondern bewusst im öffentliche Leben der (Medien-) Stadt zu verankern. In Anlehnung an R. Forida lässt sich auch beobachten, dass jene Stadtteile, in denen es zu einer stärkeren Konzentration einer gay/queer Bewohnerschaft kam, offensichtlich ein offeneres Klima herrscht, so dass sich dort auch viele internationale Lokale, Restaurants aber auch junge Familien (Alleinerziehende Mütter) wohler fühlen.

Die Autoren finden es, im Sinne einer verstärkten öffentlichen Diskussion natürlich interessant, wie Ihr, die Leseschaft, die in den Bezirken wohnenden, denkt!
Wie denkt ihr über die visuell codierte Homosexualität?
Was meint ihr zur konzentrierten Form von Lokalen oder sonstigen Einrichtungen?
Sind die Leute in diesen Bezirken aufgeschlossener bzw. begünstigen sie die Ansiedelung von homosexuellen Personen?
Ist diese Repräsentation in Bezirken für euch oder für Freunde oder Bekannte von euch eher fortzusetzen oder wünscht ihr euch eine „Durchmischung“ auch in euerer Nähe bzw. in der gesamten Stadt?

Bitte schreibt eure Meinung unter

udo@villa.at
Wir freuen uns auch eure Antworten!



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