Einzelfall oder Häufung der Gewalttaten? von Claudie Goutrié am 2007-02-01 13:16:49 Artikel druckenRosa Lila Tipp Impulsstatement zum Runden Tisch im Österreichischen Parlament organisiert von den Grünen Andersrum zu homo-und transphober Gewalt: Zuerst ist eine Unterscheidung zwischen Gewalt und Gewalttat erforderlich, sowie zwischen verschiedenen Formen der Gewalt, Vorurteilen, Stigmatisierung und Diskriminierung und der Androhung von Gewalt.
Gordon W. Allport beschrieb 1954 in „The Nature of Prejudice“ die Abfolge von 4 Stufen der Gewalt, bei dem auf jede Stufe die nächste folgt, wenn nicht eingegriffen wird.
1. Indifferenz „live and let live“, oft verwechselt mit Liberalität, zurzeit in fast jeder Talkshow zu beobachten
2. öffentliche Ausgrenzung, Abgrenzung
3. öffentliche Abwertung und Verächtlichmachung (auch das Teil der Populärkultur, MTV)
4. Tolerierung von Gewalttaten und aktive Verfolgung
Wozu dient Gewalt?
Im Fall von Homo- und transphober wie auch antifeministischer Gewalt und Diskriminierung soll die Infragestellung dominanter (heteropatriarchaler) Gesellschaftsstrukturen verhindert werden, individuelle Ängste vor Machtverlust, Inkohärenz und Vieldeutigkeit sollen abgewehrt werden.
Homophobe -, lesben- und transphobe Gewalt ist in großem Ausmaß normalisiert, wird nicht als solche wahrgenommen und immer noch werden die Betroffenen dieser Gewalt als Auslösende derselben dargestellt und nehmen diese Zuschreibung auch teilweise selbst vor oder akzeptieren sie.
Die Auswirkungen von Gewalt (und der Drohung damit) bei den Betroffenen sind unter anderem das Zurückgreifen auf Gewaltvermeidungsstrategien, die nur vermeintlich Gewalt vermeiden, sie aber nur verlagern, bis in das eigene Selbst hinein.
Die häufigsten Vermeidungsstrategien, mit denen der RLT konfrontiert ist, sind z.B.
der Wunsch, sich zu verstecken (es geht ja niemand etwas an, was ich im Bett mache),
Kompensation durch Betonung des rollenkonformen Verhaltens in Teilbereichen (bin lesbisch, aber arbeite doppelt so gut wie meine KollegInnen; bin schwul, aber nicht weibisch)
der Versuch, nicht akzeptabel empfundene Anteile abzuspalten und bei anderen abzuwerten (die Mannweiber bringen Lesben in Verruf), damit einhergehend auch eine Entsolidarisierung.
Das Verneinen der eigenen Besonderheit(en): bin so wie alle,
Hinnehmen von Gewalt und Diskriminierung (wenn ich so bin, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn ich schlecht behandelt werde)
Gegenstrategien dagegen können das Aufdecken und Benennen von Mechanismen der Gewalt und Diskriminierung sein, ebenso wie das Schaffen von solidarischen Zusammenhängen, das Erproben und Umsetzen von emanzipatorischen Strategien,
um positiven Erlebnissen Raum zu geben.
Keinesfalls darf das Infragestellen von individuellen Glaubenssätzen und Gesellschaftssystemen, Traditionen und Überzeugungen als legitimer Grund für Gewalt und Diskriminierung akzeptiert werden.
Gewalt und ihre Vorstufen müssen ernst genommen werden, sowohl individuell als auch gesamtgesellschaftlich.
zurück |