Die Lesbenberatung begrüßt zum 8. Märzvon Claudie Goutrié am 2007-03-09 12:04:08 Artikel druckenKämpfen Frauen scheint die Sonne - und machmal regnet es auch... Liebe Demonstrantinnen,
wir freuen uns über euer und unser Kommen!
Wir sind hier und trotzen wieder einmal Wetter und Gleichgültigkeit und feiern gemeinsam den 8. März, den Internationalen, aber auch den Anti-nationalen FrauenLesbenMädchenkampftag.
Wir überwinden das Trennende zwischen uns, weil uns etwas eint: die Wut über die Ungerechtigkeit, die Abwertung und die Gewalt gegen Frauen, die Einteilung in strikte Geschlechterkategorien, die da, wo sie praktiziert wird, die als weiblich klassifizierten Personen (und als solche sprechen wir heute am 8. März.) sowohl mit ökonomischer, physischer und sexualisierter Gewalt als auch mit kultureller Propaganda, mit Lächerlichmachung und Abwertung in der Beschränktheit der ihnen zugewiesenen Kategorie zu halten versucht. Nicht Einordenbare, sich dem eingeordnetwerden Entziehende, werden der Logik des entweder/oder, des „sei so und nicht anders“, sonst bist du anders und darfst diskriminiert werden - folgend mit lesbo-, homo-, inter- und transphober Gewalt bedroht.
Auch das wollen wir nicht hinnehmen:
Wenn Frauen kämpfen, scheint die Sonne, und auch wenn davon gerade nicht ganz soviel zu merken ist, soll uns das nicht davon abhalten, uns zu feiern, uns und alle Frauen überall und zu allen Zeiten, die Benachteiligung und Beschränkungen nicht hinnehmen und hingenommen haben.
Feiern wir die Suffragetten, die streikenden Arbeiterinnen, Frauen, die für sexuelle Selbstbestimmung gekämpft haben, Frauen, die andere Frauen wichtig genommen und geliebt haben und sich füreinander eingesetzt haben. Frauen die durch alle Zeiten, die ihnen zugewiesenen Wege verlassen haben. Ohne sie wären wir nicht, wo wir heute sind.
Vor allem aber feiert die Lesbenberatung heute alle Lesben, wo auch immer sie sind und wie auch immer sie sich selbst nennen, Frauen, die sich schon immer ein Leben unabhängig von Männern vorstellen konnten.
Frauen, die strikte Kategorien in Frage stellen, die begeistert sind von den Möglichkeiten, alle Aspekte des Lebens mit Frauen zu teilen. Die aufgebrochen sind, alles zu werden, was sie sein wollen.
Das Ausmaß der Verunsicherung heteropatriarchaler Strukturen durch Lesben ist einfach abzulesen an der Massivität der Verharmlosung, Entpolitisierung, Pathologisierung, Verniedlichung und heterosexistischen Pornographisierung lesbischer Frauen.
Wir feiern alle, die sich davon nicht entmutigen lassen.
Außerdem feiern wir heute auch alle die heterosexuell lebenden Frauen, die sich nicht dem Druck der antifeministischen lesbenfeindlichen Propaganda beugen und die weiterhin solidarisch sind mit ihren lesbischen Schwestern.
Wir feiern die Feministinnen, die nicht sagen, ich bin zwar Feministin aber nicht lesbisch, genauso wie die Lesben, die nicht sagen, ich bin zwar lesbisch, habe aber nichts gegen Männer und somit eine feministische Analyse der Herrschaftsverhältnisse zugunsten einer teilweisen Akzeptanz preisgeben.
Wir feiern all die, die die ihnen vorgeschriebenen Kategorien sprengen…
All die Frauen, die nicht so aussehen und die nicht so sind, wie es die Kategorie, die ihnen zugeteilt wurde, vorschreibt: wilde, starke mutige Frauen; und die Frauen, die genauso aussehen und sind, wie es die Kategorie vorschreibt, die ihr Begehren aber entgegen aller Erwartung auf andere Frauen richten, im Wissen, um eine vielfältige Geschichte und Gegenwart.
Die, für die Lesbe ein politischer Begriff ist, wie auch ein sexueller.
Frauen, die für sich selbst und füreinander sorgen, einander Lust und ungeahnte Höhen und auch Tiefen bereiten; in jedem Fall aber die Illusion der allumfassenden Bedeutung und Wichtigkeit von Männern zerstören.
Wir feiern die Lesben und die Frauen, die über den Tellerrand schauen, die eine gerechte Welt für alle wollen, die ihre eigenen Theorien auch mal in Frage stellen, die immer wieder aufstehen, die bei aller Kampfeslust vermeiden wollen, einander Leid zuzufügen, die akzeptieren, dass für manche Frauen der Kampf gegen andere Formen der Unterdrückung manchmal wichtiger ist, die wissen, dass es manchmal unabdingbar ist, Trennendes beiseite zu lassen und gemeinsam gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt zu kämpfen.
Und dann scheint für uns sogar heute irgendwie doch die Sonne!
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