The kids are alright - but what about the moms?von Claudie Goutrié am 2010-12-03 18:47:11 Artikel druckenEin schöner Film und ein trauriger Film. Schön wie die Hauptdarstellerinnen mit ihren Körpern und Gesichtern, die so subtil und liebevoll ihre Geschichten vom Zueinander- finden, sich verletzen, gemeinsam auch den alltäglichsten Alltag erleben, dem Humor, der Selbstironie und der Liebe für einander und für ihre Kinder erzählen. Und ein trauriger Film. Traurig, weil selbst für sehr privilegierte, weisse, finanziell abgesicherte lesbische Mütter der Preis für ein gemeinsames Leben so hoch ist. Beklemmend die Einsamkeit der lesbischen Mütter, die fehlende Unterstützung durch lesbische Freundinnen, die Abwesenheit einer Community, eines Netzwerks anderer Eltern, die nicht heterosexuell leben. Traurig das Ausgeliefertsein in Sprachlosigkeit angesichts der Prekarität eines Familienlebens "ohne richtigen Mann". Das „da fehlt doch was“ bleibt unausgesprochen und in seiner Bedrohlichkeit nicht relativierbar zu spüren.
Auch der Versuch, zwischen Phallus und Penis zu differenzieren, wirkt, wenn unter der Bettdecke ausgeführt, deprimierend, vor allem in Kontrast zu dem wesentlich lustvoller dargestellten Sex mit Mann mit Penis. In einem Mainstream Kino mit penetrant falschlachendem Publikum gesehen, kann das schon bis hart an die Belastungsgrenze gehen. "Richtiger Sex" erhebt hier in all seiner heteropropagan- distischen Wirkmächtigkeit sein hässliches Haupt. Dass der Samenspender am Ende doch eben nur das ist, bleibt ein dem Zufall geschuldeter Trost.
Die Beweislast dafür, dass die Kinder so vaterlos aufwachsend in Ordnung sind, bleibt bei den Müttern und ihren Kindern, das ist im Film wie im richtigen Leben immer noch so. In der Realität müssen Studien gemacht werden, dass die Kinder, die bei nicht heterosexuellen Eltern aufwachsen, genauso oder „besser“ sind, als andere, als "normale" Kinder. Das alte Stigma „nicht normal“ schwingt in der Beschwörung des Normalseins immer mit. Das Unausgesprochene, die Wut über die Ungerechtigkeit bleiben. Und werden nur oberflächlich gedeckt durch das nie einzulösende Versprechen, dass die Diskriminierung aufhören wird, wenn man nur bewiesen hat, wie normal, wie gleich doch alles ist, wie NICHT ANDERS.
Eine nicht erfüllbare Bedingung. Denn der Druck, beweisen zu müssen, dass nichts fehlt, ist nicht normal, betrifft keine "normalen" Familien. Wenn das, was tatsächlich anders ist, besprochen werden könnte, dann wären vielleicht auch die Moms allright, dann könnten sie mit ihren Kindern darüber sprechen, wieviel Kraft das manchmal kostet, so auf dem Prüfstand zu stehen, die kritischen Blicke zu spüren, sich immer mit dem nicht selbstverständlich Sein auseinandersetzen zu müssen, die Kinder stark machen zu müssen für direkt oder indirekt geäusserte Vorurteile und Abwertung in ihrem Leben. Dann könnten sie sich Unterstützung holen oder auch einfach nur ganz normal mit anderen in ähnlicher Situation sprechen. Im Film aber bleibt, von Anspielungen und zwei Kommentaren der Tochter abgesehen, das explizit Lesbische an der Situation der beiden Mütter unausgesprochen.
Auf den zweiten Blick aber und unter der Oberfläche feiert der Film diese zwei mutigen Frauen, ihre Versuche, das alles für die Kinder richtig und gut zu machen, ihre Kämpfe und deren Überwindung. Und so fahren sie am Ende des Films nicht über die Klippen in das Nichts als einziger gemeinsamer Perspektive, wie fast zwanzig Jahre zuvor Thelma und Louise, sondern zurück in ihr normalisiertes Leben. Auch sie Vorreiterinnen für das, was da noch vorstellbar ist: Vielleicht sogar lesbische und queere Lebensentwürfe, bei denen Kids und Moms und andere Beteiligte allright sind und bei denen auf eine politische Analyse herrschender Ungerechtigkeiten nicht verzichtet werden muss.
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