Niederreißen, um Neues und Anderes entstehen zu lassen...von Gerald Koessel; Udo W. Häberlin am 2004-04-20 00:00:00 Artikel druckenGeschlechteridentität, die Suche nach dem "wahren Geschlecht", Geschlechterkonstruktionen, etc. waren Programm einer Lehrveranstaltung der TU Wien. >>Gender studies - Wahres Geschlecht?<< war Titel und Programm einer interdisziplinären Lehrveranstaltung der TU Wien. Erwähnenswert nicht nur, weil das Angebot an Gender-Lehrveranstaltungen an dieser Institution nicht als überragend gelten kann, sondern vor allem weil sie eine von wenigen ist, die auch hält, was sie verspricht. Vergangenes Herbstsemester haben sich also einige StudentInnen auf die Suche dem >>wahren Geschlecht<< begeben. Die theoretische Auseinandersetzung begann mit dem französischen Historiker und Philosophen Michel Foucault und seinen Werken über Hermaphrodismus und Sexualität. Foucault weist darauf hin, dass im 19. Jahrhundert der Hermaphrodismus als Verschleierung eines wahren Geschlechts verstanden wurde. Demnach galt und gilt es oft noch immer, die wahre Identität ausfindig zu machen. Das bedeutet, eine Festlegung – bei einer Auswahl von genau zwei Alternativen – so wie es eben die Natur vorgesehen hat! Seit Anfang der 90er Jahre stellt sich die amerikanische Philosophin Judith Butler einer solchen binären Konstituiertheit von Sexualität und einer durch Naturalisierung heterosexistischer Normen erzeugten Zwangsheterosexualität entgegen. Butler betont hierbei die enorme Wirkung von sozialen Normen, die von der Gesellschaft durch performative Akte im Sprachlichen bestätigt werden und schließlich dadurch wesentlich zur Naturalisierung der Geschlechtsidentitäten sowie zur Durchsetzung einer heterosexuellen Gesellschaftsordnung als Norm beitragen, ohne dass jene bereits im voraus von der >>Natur<< festgelegt werden müssen. Judith Butler sieht Geschlechtsidentität als kulturellen Akt. Sexuelle Identität ist für sie beweglich, veränderbar und vor allem sozial konstruiert. Der Vorteil in dieser Künstlichkeit liegt wohl darin, dass alles künstlich konstruierte auch theoretisch dekonstruierbar ist – die binäre Konstitution von Sexualität ebenso wie die Festlegung auf eine bestimmte Identität. Dekonstruktion meint hier nicht ein Niederreißen eines Mauerwerks mit der Absicht, es zu zerstören, sondern es neu und anders wieder aufzubauen. (alles auch nach zulesen unter der LV-Homepage
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