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Villa- Fassade-Transparente

von Rudolf H. Katzer am 2004-06-08 08:52:11
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Die Artikel "Villafassade - Bildpolitik oder Ausverkauf der Blicke?" sowie "Transparente ohne Ende" riefen unterschiedliche Reaktionen hervor. Hier ein Leserbrief eines Hausbewohners.

Die Öffentlichkeit ist nicht privat hat Udo W. Häberlin sehr treffend in seinem Artikel „Villafassade - Bildpolitik oder Ausverkauf der Blicke?“ bemerkt.

„Transparente bieten aber auch die Möglichkeit, auf Ereignisse zu reagieren, die außerhalb der eigenen Community liegen“ schreibt Marty Huber in ihrem Artikel „Transparente ohne Ende“. Sie spricht über die handgemalten Transparente auf der Fassade der ROSA LILA VILLA, und bemerkt in diesem Zusammenhang, dass einige davon selbst in der Szene für Aufregung sorgen, z.B. die "HausbesetzerInnen-PR". Auch ich gehöre zu denen, die über manche Formulierungen gar nicht glücklich waren – umso weniger, als ich in der Villa lebe – wie z.B. „ROSA LILA VILLA seit 20 Jahren höflich und pervers“ oder „Geld her Staat“ (am Ende eines Transparents gegen den Umgang des Staates mit Flüchtlingen und Obdachlosen). „Doch was ist mit den unerreichten politischen Feldern wie Antidiskriminierungsgesetz, Gleichstellung, Asyl und der Toleranz, besonders außerhalb der Großstadt?“ fragt Udo weiter hinten in seinem Artikel und ich ergänze die Frage: „ … Asyl und Toleranz insbesondere für Lesben, Schwule und Transgender?“ Denn darauf käme es meiner Meinung nach in erster Linie an: mit Transparenten auf der VILLA (aktuelle) Themen aufzugreifen, die ganz direkt mit den vordergründigen Zielsetzungen des Hauses zu tun haben: Antidiskriminierungsgesetz, Gleichstellung, Nazi-Vergangenheitsbewältigung (Wiedergutmachung), Asyl und Toleranz insbesondere für Lesben, Schwule und Transgender. Das sind genügend Themen für die wir die Möglichkeiten der VILLA-Fassade nutzen sollten. Und weil wir alle, die in der VILLA leben und arbeiten, mit den Aussagen die wir achiffieren mehr oder weniger identifiziert werden, sollten wir uns alle damit auch identifizieren können. Ich will keinesfalls, dass der Prozess der Entscheidung (darüber was auf der VILLA-Fassade stehen soll) zu kompliziert wird, aber es ist meiner Meinung nach undemokratisch, ein Transparent auszuhängen dessen Wortlaut nicht a) zwischen ROSA TIP und LILA TIP abgesprochen worden ist und b) mindestens zwei Tage lang deutlich am internen Mitteilungsbrett des Wohnvereins ausgehängt worden ist. Ob die Vertretung des WILLENDORF auch dazu befragt werden soll, bleibt zu diskutieren, aber für Lesbenberatung, Schwulenberatung und WohnVEREIN (nicht die Einzelnen) wünsche ich mir das Recht eines Vetos, das natürlich innerhalb einer kurzen Frist eingebracht werden müsste.

Ein Transparent einfach auszuhängen, weil BewohnerInnen, die zufällig ihre Fenster zu Spörlingasse oder Wienzeile haben, es für persönlich wichtig und richtig hielten und es zusammen mit ein paar FreundInnen angefertigt hätten - was natürlich noch nie in der Villageschichte vorgekommen ist - empfände ich als Machtmissbrauch. Dagegen ist es super, wenn sich BewohnerInnen finden, die – vielleicht sogar in Zusammenarbeit mit TIP-MitarbeiterInnen – sich die Mühe machen, das Transparent zu gestalten und auszuhängen. Aber ohne die Zustimmung von TIP und Wohnverein die VILLA-Fassade zu nutzen um seine/ihre privaten Meinungen einer relativ großen Öffentlichkeit zu kommunizieren, hielte ich für nicht in Ordnung.

Eine andere, aber sehr wichtige Geschichte ist die permanente Beschriftung des Hauses. Ich halte es aus Gründen der historischen Kontinuität für wichtig, den eigentlichen Namen des Hauses ROSA LILA VILLA wieder anzubringen, auch wenn (oder gerade weil) viele Leute diesen Namen auf dem Haus nie gesehen haben. Es gibt schon einige praktikable Vorschläge, in welcher Form das geschehen sollte. Wir sollten endlich einmal darüber reden und es dann durchführen.

Rudolf H. Katzer



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