Aktionismus: "Ficken für Österreich"von Udo W. Häberlin am 2004-07-09 12:40:39 Artikel druckenDieser provokante Titel und der Aufruf "Kopulieren für die Heimat"
sorgte am 8. Juli für Aufmerksamkeit einer verblüffend politischen Aktion: Mit "Queer Against the Norm" war die Initiative "Ficken für Österreich" angetreten um den Fortbestand des ansässigen Volkes zu umwerben.
Nicht "shoppen und ficken" war der Anlass dieses Theaters auf der MariaHilf(er? /uns)Straße - eine Anregung der Bildungsministerin führte zu diesem Ereignis. Nicht Häkelunterricht oder Partytime sondern viele inhaltliche Termine waren unter den erkentnisreichen Programmpunkten der QUEER DAYS.
Homophobie, Sexismus und Transphobie haben ihre gemeinsame Wurzel in einem (Gedanken)System, das auf hierarchisch heterozentristisch geordneten Festschreibungen basiert. Drei Tage lang zeigten die Queer Days, dass nichts so sein muss, wie es "ist", dass keine noch so sichere Sicherheit hält, was sie verspricht.
"Die schwarz-blaue Regierung betreibt Familien- und Bevölkerungspolitik - d.h. repressive staatliche "Formung" der BürgerInnen - nach nationalistisch/rassistischem Muster. Während MigrantInnen Jahre auf die sogenannte "Familienzusammenführung" warten, werden weiße Mehrheitsösterreicherinnen durch Kindergeld, Anti-Abtreibungs- und Pro-Familien-Propaganda zum Gebären und in Abhängigkeit von einem männlichen "Ernährer" gedrängt." Diese Politik will das Bild der (katholischen) Kirche, das patriarchale Modell der staatlich sanktionierten und viel zu oft gescheiterten Mutter-Vater-Kind-Idylle vor dem sicheren Untergang bewahren, im Gegenzug mainstreamen Expertinnen die Frauenpolitik und der lauteste Ruf aus der schwul-lesbischen community ist jener nach Eheerlaubnis...
Mit dem vielfältigen Programm (Workshops, Vorträge, Aktionen, Filme) wurden im Rahmen der Queer Days politische als auch persönliche Ansätze vorgestellt, die den herrschenden Geschlechter- und Sexualitätsnormen den Kampf ansagen. "Wir erheben Anspruch auf den öffentlichen Raum, auf Platz und Sichtbarkeit für jene, die nicht in die vorgegebenen Kategorien von "männlich" und "weiblich" passen (wollen). Wir nehmen uns das Recht, Sexualität jenseits von hetera/o und homo zu erleben."
Die Queer Days boten die Möglichkeit, das Verhältnis zur dominanten rechtskonservativen Politik, aber auch zu verschiedenen (feministischen, lesbischwulen) Gegenstrategien zu reflektieren, Provokationen zu setzen und den öffentlichen Raum für sich und diese politischen Aktionen zu vereinnahmen. Mehr davon!?
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