Tolerant, Talent und Technologie...von Udo W. Häberlin am 2007-03-13 17:11:16
Hurra - endlich jemand der den "Schwulenfaktor" schätzt und uns automatisch der Creative Class zurechnet. Diese ist momentan im Tourismus, Ökonomie (Creative Industrie) und selbstverständlich Kultur der Hype und "das Erfolgsrezept", scheint es. Alles beruht auf die Theorien des schwulen Mr. R. Florida. Dem Namen verpflichtet vertritt der Wirtschaftsprofessor die These, dass offenere Gesellschaften über ökonomische Vorteile verfügen. In seinem Buch »The Rise of the Creative Class« sagt er: »Je schwuler eine Stadt, umso offener ist sie – und wirtschaftlich umso erfolgreicher.«
Auf diese These gab es heftige Reaktionen. Doch seine These beruht auf Studien, die zu dem Ergebnis kamen, dass Menschen grundsätzlich von Regionen und Orten angezogen werden, die ein offenes Klima haben. Leider stammen die Untersuchungen aus den USA (und Schweden) der 90er Jahre und davor die Stadtforscher Häberlin in ihrer Übertragbarkeit bezweifelt, zumindest einschränkt. Natürlich so Häberlin ist es eine große Innovation Ökonomische Theorien mit den "weichen Standortvorteilen" einer Stadt in Verbindung zu bringen. Auch die Berücksichtigung der Bevölkerungsprozesse, die Synergien und ein (un)günstiges Klima kann wesentlich die Nachhaltigkeit einer Region stützen. Jedoch sind Indikatoren wie der Gay-Index nicht direkt wirksam, sondern zeigen die Offenheit einer Stadtgesellschaft an. Ein Ort, der ein relaxtes Klima für junge Leute erzeugt, Selbstverwirklichung ermöglicht, zieht kreative Leute an – und darunter können auch viele Schwule sein. Es sind also Orte, in denen Unternehmer ihre Innovationen zum Leben erwecken können."
Der Wirtschaftswissenschaftler führt zur Untermauerung seiner These beispielhaft die High-Tech-Revolution in San Francisco und Umland (Bay Area) an. Die Region sei seit den 60ern von einer Woge der Selbstverwirklichung erfasst gewesen, die zum Motto hatte: Folge deinen Ideen, ordne Dich nicht den von außen auferlegten Regeln unter. Apple-Gründer Steve Jobs habe sich unter anderem daran orientiert, so Florida. Schliesslich seien es nicht Technologien, die das Wachstum forcieren, sondern die Menschen dahinter, die immer neue Dinge erfinden. Dabei müsse man sich vor allem die Frage stellen, welche sozialen und kulturellen Faktoren diese Talente hervorbringen. Florida: "Ich bin überzeugt, dass neben hervorragenden Universitäten und Forschungseinrichtungen eine tolerante und weltoffene Atmosphäre ein wichtiger Magnet ist.
In europäischen Städten mit einer tieferen historischen Basis lässt sich diese These nur bedingt bestätigen: So stellt das Phänomen der "postfordistischen Universitätsstadt" Freiburg sicherlich ein Magnet für junge, Menschen mit einem großen "Humankapital" dar. Doch der gayindex ist nicht automatisch hoch wie das lässige Image der Stadt. Anders sieht es in der neuen Medienstadt Köln aus: Hier fielen die Zuwanderungstendenzen der privaten Medienmacher auf nahrreichen rheinischen Boden, einer aufgeschlosseneren "Karnevals Society" |